Doms Schätzwagen

Viele von euch haben mich in den letzten Wochen gefragt, was das eigentlich für ein Wagen war, den man in meinem Video zur Walthers Drehscheibe gesehen hat. Zahlreiche Kommentare, Mails und Nachrichten haben mich erreicht – mit der Frage: „Wie hast du diesen Messwagen gebaut?“

Die Antwort lautet: gar nicht – denn es ist kein Messwagen.

Ich nenne den Wagen lieber Schätzwagen – und genau darum geht es in diesem Projekt.

 

Ich hatte auf meiner ersten größeren Anlage immer wieder Kontaktprobleme. An manchen Stellen brach die Spannung kurzzeitig ein, und ich wollte einfach wissen, wo auf der Anlage die Spannung abfällt – also, wo es Schwachstellen in der Einspeisung oder im Kontakt der Gleise gibt.

Ein präzises Messgerät war dafür gar nicht nötig. Es ging nur darum, zu erkennen, ob ein Bereich gut versorgt ist oder nicht.

Dafür habe ich mir diesen kleinen Wagen gebaut, der mir auf einfache Weise anzeigt, wo die Gleisspannung stark absinkt.

 


Das brauchst du:

- einen alten Wagen

- 2 Aderendhülsen (i.d.R. bei Spur N 1,5mm - kann aber Variieren)

- 2 Kurze Stücke Aderleitung

- 1 Voltmeter

- 1 Kondensator (50V 100Mikrofarat)

- 1 Diode (Für Analog: 4 Dioden)


Funktionsprinzip

Rot: DCC-Signal

Lila: Nach Diode

Blau: mit Parallel geschaltetem Kondensator

Der Wagen enthält ein kleines DC-Spannungsmessmodul mit einer dreistelligen LED-Anzeige, eine Diode und einen Kondensator.

Da die DCC-Gleisspannung kein Gleichstrom ist, sondern mit einer Frequenz von über 6 kHz permanent die Polarität wechselt, kann ein normales DC-Messgerät diesen Wert nicht direkt erfassen.

Darum wird das Signal mithilfe der Diode „halbiert“ und der Kondensator glättet die Spannung – so entsteht ein annähernd gleichmäßiges Signal, das die Anzeige lesen kann.

Exakt ist das natürlich nicht, aber es reicht völlig aus, um zu sehen:

👉 Hier liegen stabile 16,8 Volt an – dort sinkt es plötzlich auf 14 Volt.

Und genau diese Unterschiede sind entscheidend, wenn man Fehler in der Stromversorgung sucht.

 



Aufbau

Ein wichtiger Punkt sind die Radsätze.

Nicht alle leiten den Strom – Kunststoffradsätze zum Beispiel sind völlig ungeeignet.

Ich nutze daher Metallradsätze, bei denen eine Seite elektrisch mit der Welle verbunden ist.

Damit kann ich auf der einen Seite den Kontakt zu einem Gleis herstellen und auf der anderen Seite zum zweiten Gleis.

So entsteht die Stromversorgung für die kleine Elektronik im Wagen.

Übrigens: Technisch gesehen dreht sich hier keine „Achse“, sondern eine Welle – aber im Modellbahnjargon hat sich der Begriff Achse einfach eingebürgert.

 

Im Wageninneren sitzt die kleine Anzeige gut sichtbar im Fensterbereich.

Die Verdrahtung ist simpel: Diode in Serie, Kondensator parallel, fertig.

Das Ganze lässt sich problemlos auch in ältere Wagen einbauen – bei mir steckt die Schaltung in einem alten Güterwagen, den ich ohnehin übrig hatte.

Ein Tipp: Wenn ihr analog fahrt, braucht ihr allerdings einen Gleichrichter mit vier Dioden, sonst funktioniert der Wagen nur in eine Richtung.

 

Download
Schätzwagen DCC - Plan
DomsSchaetzewagen_SPlan.pdf
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Fazit

Der Schätzwagen ist kein Präzisionsinstrument – aber er ist ein extrem hilfreiches Werkzeug, um schnell herauszufinden, wo auf der Anlage etwas nicht stimmt.

Gerade bei DCC-Anlagen lässt sich so leicht erkennen, ob es irgendwo Einspeisungsprobleme gibt, ohne gleich auf ein Oszilloskop oder teures Messgerät zurückgreifen zu müssen.

Ich nutze meinen Schätzwagen inzwischen nur noch selten, weil die aktuelle Anlage mit Kato-Gleisen deutlich weniger Kontaktprobleme hat – aber: Er hat mir schon oft wertvolle Dienste geleistet.